Kategorien
Gitarre Allgemein

Wie die Akustikgitarre funktioniert

Alle akustischen Saiteninstrumente erzeugen und verbreiten ihren Klang nach einem ähnlichen Prinzip.

Wenn eine Saite angeschlagen wird, versetzt dies die Luft in Schwingung. Indem diese Energie über den Steg (die beiden Stellen, an denen die Saite in direktem Kontakt mit dem Korpus steht) in den Klangkörper gelangt, schwingt das Material zusammen mit den Saiten und erzeugt einen hörbaren Ton.

AKTOREN DIE DEN KLANG BEEINFLUSSEN

Der Klang einer Akustikgitarre hängt sowohl vom verwendeten Material als auch von der Bauweise ab. Diese Elemente spielen eine entscheidende Rolle für die Lautstärke und Qualität des

Tones. Es gibt keine Formel für das perfekte Design – zum einen bevorzugen nicht alle Musiker denselben Sound, zum anderen passen manche Instrumente einfach besser zu einem bestimmten Musikstil. Ein sehr wichtiger Punkt ist die Beschaffenheit des Holzes. Was immer ein Instrumentenbauer auch unternimmt, um die Konstruktion der Gitarre zu standardisieren, zwei Holzstücke – selbst wenn sie vom selben Baum stammen – sind niemals gleich. Daher können auch zwei Gitarren niemals identisch sein.

In den 1920er Jahren versuchten Gitarrenbauer Instrumente mit lauterem Klang zu entwickeln. Dies wurde weitgehend durch die Vergrößerung des Korpus erreicht.

Doch der Klang wird auch von den Verstrebungen (Bracing) auf der Rückseite der Decke und des Rückens beeinflusst. Das Bracing stützt nicht nur den Korpus, es verhindert auch, dass das Holz sich verzieht. Durch diese Streben werden die Schallwellen im Korpus beeinflusst, was sich auf die Klangcharakteristik auswirkt.

Bei der Konstruktion von Akustikgitarren kann eine Vielfalt an Materialien verwendet werden. Besonders wichtig ist jedoch, dass das Holz abgelagert ist, damit ein Großteil der darin enthaltenen Feuchtigkeit verdampfen kann. Wenn frisches Holz verwendet wird, verliert es durch den Austrocknungsprozess bald seine Form. Deshalb ist es wichtig, das Holz über einen langen Zeitraum hin trocknen zu lassen. Eine ebenfalls gängige (und billigere) Alternative ist die Verwendung von Holz, das im Ofen vorgetrocknet wird und anschließend nur noch ein paar Wochen lagern muss.
Jede Holzart hat ihren charakteristischen Klang, daher wird jedes Akustikinstrument aus einer Kombination verschiedener Hölzer gebaut. Die Decke besteht bei den meisten qualitativ hochwertigen Instrumenten aus europäischer oder kanadischer Fichte. Günstige Modelle werden aus Laminat oder Sperrholz gefertigt. Für Zargen und Rücken verwendet man meist Rosenholz, Ahorn oder Mahagoni. Die Verstrebungen werden häufig aus Kiefernholz geschnitzt.

Bei der Konstruktion des Gitarrenhalses wird eine größere Materialvielfalt verarbeitet. Brasilianisches Mahagoni gilt unter vielen Gitarrenbauern als das Beste, obwohl es als geschützte Holzart immer schwieriger zu finden ist. Eine billigere Alternative ist Ahornholz. Das Griffbrett wird in der Regel aus Rosenholz geschnitzt, für teurere Modelle auch das dichte und länger haltbare Ebenholz verwendet.

Sollte die Gitarre mal verstaubt sein – kann man sie mit einem Kompressor ausblasen.

Die Moderne Akustikgitarre

Ovation gilt als wahrscheinlich der bedeutendste Hersteller akustischer Gitarren in den letzten 50 Jahren. Das Unternehmen wurde in den frühen 1960er Jahren von dem Luftfahrtingenieur Charles Kaman gegründet. Seine Gitarren haben die Welt der Stahlsaitengitarren revolutionär verändert.

Die Neuerung war, dass Rücken und Zargen der traditionellen Gitarre durch einen schalenförmig gerundeten Körper aus Glasfaser ersetzt wurde der

aus einem Stück bestand. Durch das Fehlen von Ecken und Kanten der Verstrebungen verfingen sich die Schallwellen nun nicht mehr im Klangkörper. Man konnte so nun mehr von dem natürlichen Klang hören. Nach diesen ersten Versuchen experimentierte Ovation mit weiteren synthetischen Materialien, unter anderem mit Kombinationen aus Fiberglas und Holz.

Die Balladeer war die erste Produktionsreihe von Ovation und kam

1966 auf den Markt. Vier Jahre später gab es eine elektro-akustische Version mit einem piezoelektrischen Transducer an der Unterseite des Stegs. Dieses System erzeugte einen natürlicheren Gitarrensound als es je durch ein Pickup am Schall-Loch eines akustischen Instruments möglich wäre.

Die Behauptung ist wohl kaum übertrieben, dass Ovation heute weitgehend für den Begriff »Elektro-Akustik« steht.

 

Kategorien
Allgemein Gitarre

Gitarren in Amerika

Die Gitarre ist ohne Zweifel das bedeutendste Instrument der Populärmusik des 20. Jahrhunderts. Ob Folk, Country und Western oder Rock und Pop – jede Stilrichtung wurde im Laufe der Zeit von ihr beeinflusst. Ihre Entwicklung und Verwurzelung in der Musikgeschichte kann am besten in den Vereinigten Staaten von Amerika zurückverfolgt werden. Während in Spanien eine klassische Revolution stattfand, wurde auch in Amerika Geschichte geschrieben: Dort prägten allerdings die Erfindungen zweier bedeutender Personen der Gitarrengeschichte unterschiedliche Stilrichtungen: C. F. Martins »Flattop«-Gitarren und Orville Gibsons »Archtop«-Modelle.
DIE MARTIN-TRADITION

Christian Frederick Martin stammte aus einer traditionsreichen Geigenbauerfamilie. Er wurde 1796 im deutschen Markt Neukirchen geboren. Im Alter von 15 Jahren zog er nach Wien, wo er bei dem berühmten Instrumentenbauer Johann Stauffer in die Lehre ging. Als er nach Deutschland zurückkehrte, um seine eigene Werkstatt zu eröffnen, geriet er in einen Rechtsstreit konkurrierender Gilden. Seine Familie gehörte seit langem der Zunft der Gitarrenbauer an. Da die Violinenbauer aber den Wettbewerb einschränken wollten, versuchten sie ein Monopol zu erlangen und anderen Gilden die Herstellung von Musikinstrumenten verbieten zu lassen. Obwohl die Violinbauer in diesem Streit unterlagen und Martin im Geschäft bleiben konnte, beschloss er auf Grund dieser Ereignisse nach Amerika auszuwandern. Nach seiner Ankunft in New York 1833 gründete er bald ein bescheidenes Musikgeschäft mit einer
Christian Frederick Martin (1796-1867)

kleinen Werkstatt im Hinterraum. Seine ersten Instrumente tauschte er oft gegen andere Güter ein. Martin war enttäuscht vom Leben in New York, und so verkaufte er sein Geschäft 1838 und zog in die Nähe von Nazareth im Bundesstaat Pennsylvania. Dort konzentrierte er sich auf die Herstellung von Musikinstrumenten.

Frühe Martin-Gitarren wurden auf Bestellung handgefertigt und hatten wenig standardisierte Merkmale. Eines der wenigen Kennzeichen waren die ungewöhnlichen Wirbelbretter im Stauffer-Stil, bei dem alle Wirbel auf einer Seite angebracht waren. Ungewöhnlich an den ersten Martin-Gitarren war auch ein einstellbarer Hals. Dieser wurde bis 1890 verwendet, als Stahlsaiten die Darmsaiten ersetzten und dadurch eine stärkere Spannung auf die Verbindungsstelle zwischen Hals und Korpus ausgeübt wurde. In den 1850er Jahren entstand seine größte Innovation – das so genannte »X-bracing System«, Verstrebungen, die X-förmig unter der Decke angebracht wurden und einen veränderten Ton erzeugten.

Nach dem Tod von C. F. Martin 1867 führte dessen Familie sein Werk über mehrere Generationen hinweg fort. Unter der Leitung seines Enkels Frank Henry wurden einige der innovativsten Produkte entwickelt. 1916 entstand der »Dreadnought-Stil« mit breitem Korpus. Dieser Typus mit höherer Lautstärke und starken Bässen galt als ideales Begleitinstrument für Sänger. Auch wenn die serienmäßige Herstellung erst 1930 begann, wurde er bei Folk- und Country Sängern schnell sehr beliebt. 1929 führte Martin außerdem den 14-bündigen Hals ein. So vergrößerte er den Tonumfang der Gitarre und machte sie vielfältiger einsetzbar. Dieses so genannte »Orchestra Model« wurde bald zum Standarddesign amerikanischer Gitarren.

Ab 1930 war das Unternehmen Martin weltweit berühmt für seine akustischen Flattop-Instrumente. In den 1960er Jahren war die Nachfrage nach Martin-Gitarren bereits so groß, dass die Lieferzeit im Schnitt drei Jahre betrug. Auch wenn andere US-Hersteller wie Gibson und Guild gute akustische Fiattop-Gitarren produzierten, bleibt doch der Name Martin am engsten mit diesem Instrument verbunden.

ORVILLE GIBSON UND DIE ARCHTOP-TRADITION

Der andere große Name in der amerikanischen Gitarrengeschichte ist Orville Gibson. Geboren 1856 als Sohn britischer Einwanderer, war Gibson nicht nur ein begabter Holzschnitzer, sondern auch ein sehr guter Mandolinenspieler. In den 1890er Jahren verband er diese beiden Fähigkeiten und entwickelte eine neuartige Gitarre, deren Herstellungsweise eher der des Geigenbaus entsprach. Diese Instrumente hatten gewölbte Decken und (anfangs) ovale Schalllöcher. 1902 gründete er mit dem Kapital mehrerer Geschäftsleute in Kalamazoo, Michigan, die Gibson Mandolin-Guitar Manufacturing Company. Bis zu seinem Tod 1918 genoss seine Gesellschaft einen Ruf, der nur mit dem Martins vergleichbar ist.

Auch nach dem Ableben des Firmengründers blühte das Geschäft weiter. Es spielte bei mehreren Entwicklungen in den 1920er Jahren eine aktive Rolle und sollte die Zukunft der Gitarre entscheidend mit beeinflussen. Eine Schlüsselfigur in dieser Zeit war der Ingenieur Idoyd Loar. Er war einer der Ersten, der mit elektronischen Pickups experimentierte – auch wenn diese Entwicklung erst im nächsten Jahrzehnt wichtig wurde. 1924 war er aktiv an der ersten wirklich legendären Gitarrenproduktion beteiligt: der Gibson L-5. Das ovale Schallloch wurde durch zwei F-Löcher im Violinenstil ersetzt, und die L-5 hatte einen Verstellstab, den truss rod, der dem Hals zusätzlich Stabilität verlieh. Diese Gitarre war so erfolgreich, dass sie innerhalb weniger Jahre das Banjo als Rhythmus-instrument in allen Tanzbands ersetzte.

Weitere Innovationen folgten, als Gibson elektrische Versionen der Standard-Archtops auf den Markt brachte. Die Erste war 1935 die EW-150 mit Einzel-Pickup. Als am Ende des Jahrzehnts die Gitarre immer mehr als Soloinstrument eingesetzt wurde, kamen die L-5 und die Dreadnought Super 400-Modelle mit einem niedrigeren Korpus und Cutaway heraus, so dass 17 oder 18 Bünde bequem erreichbar waren.

Kategorien
Allgemein Gitarre

Die klassische Tradition

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die klassische Gitarre, wie wir sie heute kennen. Der spanische Gitarrenbauer Antonio de Torres Jurado (1817-92) experimentierte mit der bereits bestehenden Konstruktion und ihren Dimensionen und erschuf so den Typus eines Instruments, das bis zum heutigen Tag existiert. Francisco de Tärrega (1852-1909) war schließlich der erste berühmte Musiker, der dieses neu entworfene Instrument spielte. In seinen Händen erklang die Gitarre zum ersten Mal als eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die anerkannten Orchesterinstrumente. Ohne die Arbeit dieser beiden Männer wäre die Entwicklung der klassischen Gitarrentradition sicherlich anders verlaufen.
Antonio de Torres Jurado wurde 1817 im spanischen Almeria geboren. 1840 zog er nach Sevilla und errichtete dort seine Werkstatt. Er experimentierte mit neuen Dimensionen und Produktionstechniken, die die Zukunft des Instruments auf revolutionäre Weise beeinflussen sollten. Torres vergrößerte die Breite des Halses auf fünf Zentimeter (am Sattel), und erleichterte so, die Töne sauber zu greifen. Die Saitenlänge bzw. Mensur wurde ebenfalls vergrößert und auf 65 Zentimeter festgelegt. Er überarbeitete die Konturen und Proportionen des Korpus, und entwickelte eine revolutionäre Idee von Pages weiter: Um das Schall-Loch wurden auf der Rückseite der Decke sieben Holzverstrebungen fächerförmig angebracht. Außerdem führte Torres den Stegsattel ein, an dem die Saiten befestigt werden. In den letzten zehn Jahren vor seinem Tod schuf Torres so den Prototyp der modernen klassischen Gitarre.

Francesco de Tärrega trug dann dazu bei, diesem Instrument Ansehen zu verschaffen. Tärrega, der klassisches Piano am Konservatorium von Madrid studiert hatte, war der erste große Gitarrenvirtuose. Er komponierte zudem eine Vielzahl romantischer Stücke und transkribierte viele volkstümliche Klavierstücke für die Gitarre. Dennoch wirkte er in erster Linie durch seine Lehrtätigkeit – Tärrega schuf die Grundlagen der modernen klassischen Spieltechnik. In seiner Zeit entstand die heute übliche Haltung, denn die Vergrößerung des Gitarrenkorpus durch Torres machte es bequemer, die Gitarre auf das linke Bein zu stützen. Zudem veränderte er das Spiel mit der rechten Hand: nun stützte man diese nicht mehr mit dem vierten Finger neben dem Steg ab, sondern hielt die ganze Hand ruhig darüber.

Das frühe 19. Jahrhundert brachte das bemerkenswerte Werk von Fernando Sor (1778-1839) hervor. Der virtuose Gitarrist, der Konzertreisen in ganz Europa unternahm, veröffentlichte 1830 seine berühmte Methode pour la Guitarre. In seinem ereignisreichen Leben komponierte er über 60 Stücke. Im Gegensatz zu den oft sehr simplen Werken früherer Komponisten werden viele Stücke von Sor noch heute aufgeführt.

Obwohl einige der besten Gitarristen des frühen 20. Jahrhunderts Schüler von Tärrega waren, machte derautodaktische Musiker Andres Segovia die Gitarre zu einem international anerkannten Instrument.

Segovia verfeinerte Tärregas Spieltechniken weiter und geisterte bei Bühnenauftritten in aller Welt sein großes Nikum. Die Berühmtheit führte dazu, dass das Repertoire an Gitarrenwerken größer und größer wurde: Bekannte Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Roussel, Rodrigo, Ponce d Castelnuovo-Tedesco komponierten extra für ihn.

Segoviabeeinflusste zudem durch seine Meisterklassen im italienischen Siena eine neue Generation klassischer Gitarristen wie John Williams.

Die Renaissance der Gitarre im 20. Jahrhundert schlug sich auch in den Musikakademien nieder: Am Beispiel des prestigereichen Londoner Royal College of Music lässt sich sehen, wie spät die Gitarre als klassisches Instrumentalfach anerkannt war: dort steht es erst seit 1960 auf dem Lehrplan.

Kategorien
Allgemein Gitarre

Die ersten Gitarren

Trotz der äußeren Ähnlichkeit waren die ersten Gitarren von den heutigen Instrumenten noch weit entfernt. Abgesehen von der Verwendung der Chöre statt einzelner Saiten war der größte Unterschied das Fehlen fest eingelassener Bünde aus Metall am Griffbrett. Diese bestanden damals aus Darmstücken, die um den Hals des Instruments gewickelt waren. Die Anzahl der Bünde richtete sich nach der gespielten Musik. Dies erschwerte die Arbeit des Musikers beträchtlich: Vor dem Auftritt musste der Künstler nicht nur jedes Saitenpaar stimmen, sondern außerdem überprüfen, ob die Bünde für die korrekte Intonation an der richtigen Stelle saßen.
Wenngleich Spanien ohne Frage die Heimat der modernen Gitarre ist, so weiß man doch über die dort ansässigen Gitarrenbauer kaum etwas. Von den wenigen Modellen, die man aus dem 16. Jahrhundert kennt, stammten die meisten aus Frankreich. Vor allem Lyon war berühmt für die Kunstfertigkeit seiner Gitarrenbauer. Einer der berühmtesten war Gaspard Duyffoprucgar. Quellen vom Ende des Jahrhunderts schildern die Verhaftung des kleinen Kunsthandwerkers Benoist Lejeune, der ins Gefängnis geworfen wurde, weil er das Modell von Duyffoprucgar nachbaute und verkaufte.

Die wenigen noch erhaltenen Gitarren vermitteln nur einen vagen Eindruck der damaligen Instumente. Eines der ältesten Modelle ist eine fünfehörige Gitarre, die 1581 in Portugal von Belchior Dias gebaut wurde. Diese zeigt, wie viele andere Instrumente dieser Zeit, eine Tendenz zu üppiger Dekoration, mit Gravuren und Intarsien aus Ebenholz, Elfenbein und Perlmutt.

Im 17. Jahrhundert war die Gitarre an mitteleuropäischen Höfen sehr beliebt. Die beiden Hauptzentren des Gitarrenbaus waren Frankreich und Italien: Hier haben sich vor allem Giorgio und Matteo Sellas aus Venedig hervorgetan. Das Markenzeichen ihrer Instrumente waren verzierte Griffbrett-Intarsien in Elfenbein und Perlmutt. Instrumente von Rene, Alexandre und Jean Voboam aus Paris zählen ebenfalls zu den begehrtesten und

teuersten ihrer Zeit. Das einzig erhaltene Stück aus dem Werk von Rene Voboam lässt sich im Oxforder Ashmolean Museum bewundern. Gebaut 1641, ist es fast 94 Zentimeter lang – 25 Prozent länger als das Instrument von Dias, das 80 Jahre früher entstand. Die Gitarre hatte nun ähnliche Maße wie die Vihuela erreicht. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann der berühmte Antonio Stradivari aus Cremona in Italien – wahrscheinlich der berühmteste Instrumentenbauer aller Zeiten – ebenfalls Gitarren herzustellen.

Das 17. Jahrhundert brachte auch den ersten überlieferten Komponisten für Gitarrenmusik hervor. Obwohl wenig aus dem klassischen Repertoire aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert stammt, werden die Werke des Spaniers Gaspar Sanz heute noch aufgeführt. Die Instrucciön de Moesica sobre la Guitarra Espanola erschien 1674 und war eine sehr einflussreiche Stückesammlung. Im Gegensatz zu seinen französischen und italienischen Kollegen, die elegante Stücke für die Aufführung bei Hofe schrieben, waren die Werke von Sanz eher bodenständig und schlossen auch Tänze mit ein.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelten sich in Spanien sechschörige Gitarren, mit einem tiefen E-Chor, der zu den restlichen fünf hinzukam. Zur selben Zeit gingen Musiker in Frankreich und Italien jedoch schon dazu über, anstatt der paarigen Chöre einzelne Saiten zu verwenden.

Die Schwierigkeit, die Chöre präzise zu stimmen und sie beim Spiel in exaktem Unisono erklingen zu lassen, führte dazu, das in fast allen europäischen Ländern außer Spanien die Einselsaiten verwendet wurden. Im frühen 19. Jahrhundert hatten schließlich auch die Spanier das neue System übernommen.

Eine weitere wichtige Entwicklung bei der Konstruktion des Instruments war die Einführung der Fächerverstrebungen (fan bracing) Die beiden Pioniere dieses Systems waren Jose Pages und Josef Benedid. Beide arbeiteten in der südspanischen Stadt

Cadiz. Die Neuerung bestand darin, auf der Rückseite der Decke fächerförmige Verstrebungen anzubringen, die dem Steg die notwendige Stütze verleihen. Zuvor wurde er von einem festen Querbalken gehalten. Durch die veränderte Bauweise erzielte man nun einen besseren Klang und eine höhere Lautstärke.

Im späten 18. Jahrhundert wurden auch die Bünde auf dem Griffbrett befestigt. Da die Halslänge im Verhältnis zum Korpus kürzer war als heute, gab es für gewöhnlich elf Bünde, wodurch es unmöglich war, eine Oktave auf einer einzelnen Saite zu spielen.

Kategorien
Allgemein Gitarre

Ursprung der Gitarre

Der eigentliche Ursprung der Gitarre gilt als eines der größten Mysterien der Musikgeschichte und ist unter vielen Historikern immer wieder Stoff für Diskussionen. Die Gitarre, wie wir sie heute kennen, geht zurück bis in die Renaissancezeit. Ausgrabungen im Mittleren Osten legen aber nahe, dass verwandte Saiteninstrumente bereits vor 4000 Jahren existierten – lange vor Beginn der christlichen Zeitrechnung. Viele dieser Instrumente sind der Gitarre zwar im Aussehen ähnlich, über ihre Spieltechnik kann allerdings nur gerätselt werden. Aber was genau macht eine Gitarre aus? Diesen zentralen Punkt wollen wir im folgenden Abschnitt näher erläutern.

Geht man dieser Frage genauer nach, so stößt man auf Tontafeln aus Babylonien. Ihr Fundort liegt in Kleinasien und Experten datieren ihre Entstehung auf 1900 v. Chr. Die Darstellungen auf den Tafeln zeigen Musiker mit Instrumenten, die als Vorläufer der heutigen Gitarre gelten können. Die erkennbaren Elemente umfassen einen Resonanzkörper, ein Griffbrett, Bünde und mehr als zwei Saiten. Ähnliche Instrumente sind auch auf Schnitzereien aus derselben Region dargestellt. Forscher datieren diese auf ungefähr 1300 v. Chr. und ordnen sie den Hethitischen Eroberern Babylons zu. Die kulturellen Verschiebungen in der Region sowie die Reisen der ersten Händler haben sicher dazu beigetragen, diese frühen Instrumente in einem größeren Raum bekannt und beliebt zu machen.

Das wahrscheinlich älteste gitarrenverwandte Instrument wurde in einem altägyptischen Grab gefunden. Es wird geschätzt, dass es zwischen 1500 und 2000 v. Chr. entstand. In derselben Gegend fand man auch ein koptisches Instrument, das etwa 1000 Jahre später gebaut wurde. Es zeigt bereits Anzeichen der vertrauten Form und Konstruktion, denn Korpus und Hals sind separat aus verschiedenen Holzarten geschnitzt.

Die direkten Vorläufer der Gitarre sind wahrscheinlich über Spanien nach Europa gelangt. Die Entwicklung des Instruments im Süden des Landes geht zurück auf die maurischen Invasionen im Jahre 800 n. Chr. Die Mauren, ein muslimisches Volk, das von Berbern und Arabern abstammte, brachten Saiteninstrumente wie die ‘Ud mit. Schnell fand neben der ‘Ud auch die Pandoura – ein großes Saiteninstrument, dass bei Ausgrabungen in Rom und Griechenland gefunden wurde -ihren Weg nach Nordeuropa.

Hier entwickelten Instrumentenbauer Instrumente wie die Laute und die Gittern – die wahrscheinlich nächsten Verwandten eines echten Vorläufers der Gitarre. Bis weit in das 16. Jahrhundert hinein war die Laute das dominierende Musikinstrument in Mitteleuropa und Großbritannien.

Im Europa der Renaissance entstand eine frühe Form der Laute, genannt Guitarra moresca. Hinweise auf einen weiteren Verwandten – die Guitarra latina oder lateinische Gitarre -finden sich ebenfalls in dieser Zeit. Die frühesten richtigen Gitarren, die Ende des 15. Jahrhunderts aufkamen, ähnelten in ihrer Größe der Laute. Sie verwendeten häufig »Chöre« aus Darm – Saitenpaare, die auf denselben Ton gestimmt waren -und weniger einzelne Saiten. Bis Ende des 16. Jahrhunderts betrachtete man die Gitarre als armen Verwandten der »edleren« Saiteninstrumente wie Laute und Vihuela. Aber sie suchte sich bald verschiedene Rollen in der Musik. Während auf den vierchörigen Instrumenten im Allgemeinen solistische Stücke gespielt wurden, war die fünfehörige Gitarre vor allem sehr beliebt, um Sänger zu begleiten. Gestimmt wurde sie C-F-A-D -dies entspräche den oberen vier Saiten einer heutigen Gitarre, würde man jede einen Ton tiefer stimmen.

Die VIHUELA

Im 16. Jahrhundert erfreute sich ein spanisches Instrument außerordentlicher Beliebtheit: die Vihuela. Sie hatte einen flachen Korpus, ein schmales Griffbrett mit zehn Bünden und ein nach hinten gebogenes Wirbelbrett, deren Wirbel von der Rückseite durchgebohrt waren. Es gab drei verschiedene Typen dieses Instruments: die Vihuela de arco wurde mit einem Bogen gespielt; die Vihuela de peola mit einem Plektrum, und die Vihuela de mano zupfte man mit den Fingern. Schließlich setzte sich Letztere unter dem Namen Vihuela durch. Das Instrument gelangte schließlich auch nach
Italien, wo man es Viola da mano nannte.

Die Vihuela war gewöhnlich mit sechs Darmsaitenpaaren bespannt, wobei es auch fünf- und siebenchöri-ge Versionen gab. Wie die frühe Laute war die sechschörige Vihuela meistens auf die Noten G-C-F-A-D-G gestimmt. Signifikante Unterschiede in der Größe weisen jedoch darauf hin, dass dies nicht immer der Fall war. Luis de Milan, ein großer Komponist für Vihu-elamusik, verlangte sogar, dass der Cantino – das höchste Saitenpaar – bis kurz vor dem Zerreißpunkt gestimmt werden sollte. Die tieferen Saiten sollten dann an diesem Ton ausgerichtet werden.

Die wachsende Beliebtheit der fünfehörigen Gitarre zu Beginn des 17. Jahrhunderts war mit schuld am Niedergang der Vihuela. In weniger als 200 Jahren hatte die Gitarre die Proportionen ihrer älteren Verwandten übernommen. Trotz der ehemals großen Beliebtheit findet sich im Jac-quemart-Andre-Museum in Paris heute das letzte Exemplar dieses Instruments. Obwohl es »ausgestorben« ist, existiert immer noch eine Vielzahl musikalischer Werke, das älteste davon aus dem Jahre 1536.