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Die ersten Gitarren

Trotz der äußeren Ähnlichkeit waren die ersten Gitarren von den heutigen Instrumenten noch weit entfernt. Abgesehen von der Verwendung der Chöre statt einzelner Saiten war der größte Unterschied das Fehlen fest eingelassener Bünde aus Metall am Griffbrett. Diese bestanden damals aus Darmstücken, die um den Hals des Instruments gewickelt waren. Die Anzahl der Bünde richtete sich nach der gespielten Musik. Dies erschwerte die Arbeit des Musikers beträchtlich: Vor dem Auftritt musste der Künstler nicht nur jedes Saitenpaar stimmen, sondern außerdem überprüfen, ob die Bünde für die korrekte Intonation an der richtigen Stelle saßen.
Wenngleich Spanien ohne Frage die Heimat der modernen Gitarre ist, so weiß man doch über die dort ansässigen Gitarrenbauer kaum etwas. Von den wenigen Modellen, die man aus dem 16. Jahrhundert kennt, stammten die meisten aus Frankreich. Vor allem Lyon war berühmt für die Kunstfertigkeit seiner Gitarrenbauer. Einer der berühmtesten war Gaspard Duyffoprucgar. Quellen vom Ende des Jahrhunderts schildern die Verhaftung des kleinen Kunsthandwerkers Benoist Lejeune, der ins Gefängnis geworfen wurde, weil er das Modell von Duyffoprucgar nachbaute und verkaufte.

Die wenigen noch erhaltenen Gitarren vermitteln nur einen vagen Eindruck der damaligen Instumente. Eines der ältesten Modelle ist eine fünfehörige Gitarre, die 1581 in Portugal von Belchior Dias gebaut wurde. Diese zeigt, wie viele andere Instrumente dieser Zeit, eine Tendenz zu üppiger Dekoration, mit Gravuren und Intarsien aus Ebenholz, Elfenbein und Perlmutt.

Im 17. Jahrhundert war die Gitarre an mitteleuropäischen Höfen sehr beliebt. Die beiden Hauptzentren des Gitarrenbaus waren Frankreich und Italien: Hier haben sich vor allem Giorgio und Matteo Sellas aus Venedig hervorgetan. Das Markenzeichen ihrer Instrumente waren verzierte Griffbrett-Intarsien in Elfenbein und Perlmutt. Instrumente von Rene, Alexandre und Jean Voboam aus Paris zählen ebenfalls zu den begehrtesten und

teuersten ihrer Zeit. Das einzig erhaltene Stück aus dem Werk von Rene Voboam lässt sich im Oxforder Ashmolean Museum bewundern. Gebaut 1641, ist es fast 94 Zentimeter lang – 25 Prozent länger als das Instrument von Dias, das 80 Jahre früher entstand. Die Gitarre hatte nun ähnliche Maße wie die Vihuela erreicht. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann der berühmte Antonio Stradivari aus Cremona in Italien – wahrscheinlich der berühmteste Instrumentenbauer aller Zeiten – ebenfalls Gitarren herzustellen.

Das 17. Jahrhundert brachte auch den ersten überlieferten Komponisten für Gitarrenmusik hervor. Obwohl wenig aus dem klassischen Repertoire aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert stammt, werden die Werke des Spaniers Gaspar Sanz heute noch aufgeführt. Die Instrucciön de Moesica sobre la Guitarra Espanola erschien 1674 und war eine sehr einflussreiche Stückesammlung. Im Gegensatz zu seinen französischen und italienischen Kollegen, die elegante Stücke für die Aufführung bei Hofe schrieben, waren die Werke von Sanz eher bodenständig und schlossen auch Tänze mit ein.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelten sich in Spanien sechschörige Gitarren, mit einem tiefen E-Chor, der zu den restlichen fünf hinzukam. Zur selben Zeit gingen Musiker in Frankreich und Italien jedoch schon dazu über, anstatt der paarigen Chöre einzelne Saiten zu verwenden.

Die Schwierigkeit, die Chöre präzise zu stimmen und sie beim Spiel in exaktem Unisono erklingen zu lassen, führte dazu, das in fast allen europäischen Ländern außer Spanien die Einselsaiten verwendet wurden. Im frühen 19. Jahrhundert hatten schließlich auch die Spanier das neue System übernommen.

Eine weitere wichtige Entwicklung bei der Konstruktion des Instruments war die Einführung der Fächerverstrebungen (fan bracing) Die beiden Pioniere dieses Systems waren Jose Pages und Josef Benedid. Beide arbeiteten in der südspanischen Stadt

Cadiz. Die Neuerung bestand darin, auf der Rückseite der Decke fächerförmige Verstrebungen anzubringen, die dem Steg die notwendige Stütze verleihen. Zuvor wurde er von einem festen Querbalken gehalten. Durch die veränderte Bauweise erzielte man nun einen besseren Klang und eine höhere Lautstärke.

Im späten 18. Jahrhundert wurden auch die Bünde auf dem Griffbrett befestigt. Da die Halslänge im Verhältnis zum Korpus kürzer war als heute, gab es für gewöhnlich elf Bünde, wodurch es unmöglich war, eine Oktave auf einer einzelnen Saite zu spielen.

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