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Ursprung der Gitarre

Der eigentliche Ursprung der Gitarre gilt als eines der größten Mysterien der Musikgeschichte und ist unter vielen Historikern immer wieder Stoff für Diskussionen. Die Gitarre, wie wir sie heute kennen, geht zurück bis in die Renaissancezeit. Ausgrabungen im Mittleren Osten legen aber nahe, dass verwandte Saiteninstrumente bereits vor 4000 Jahren existierten – lange vor Beginn der christlichen Zeitrechnung. Viele dieser Instrumente sind der Gitarre zwar im Aussehen ähnlich, über ihre Spieltechnik kann allerdings nur gerätselt werden. Aber was genau macht eine Gitarre aus? Diesen zentralen Punkt wollen wir im folgenden Abschnitt näher erläutern.

Geht man dieser Frage genauer nach, so stößt man auf Tontafeln aus Babylonien. Ihr Fundort liegt in Kleinasien und Experten datieren ihre Entstehung auf 1900 v. Chr. Die Darstellungen auf den Tafeln zeigen Musiker mit Instrumenten, die als Vorläufer der heutigen Gitarre gelten können. Die erkennbaren Elemente umfassen einen Resonanzkörper, ein Griffbrett, Bünde und mehr als zwei Saiten. Ähnliche Instrumente sind auch auf Schnitzereien aus derselben Region dargestellt. Forscher datieren diese auf ungefähr 1300 v. Chr. und ordnen sie den Hethitischen Eroberern Babylons zu. Die kulturellen Verschiebungen in der Region sowie die Reisen der ersten Händler haben sicher dazu beigetragen, diese frühen Instrumente in einem größeren Raum bekannt und beliebt zu machen.

Das wahrscheinlich älteste gitarrenverwandte Instrument wurde in einem altägyptischen Grab gefunden. Es wird geschätzt, dass es zwischen 1500 und 2000 v. Chr. entstand. In derselben Gegend fand man auch ein koptisches Instrument, das etwa 1000 Jahre später gebaut wurde. Es zeigt bereits Anzeichen der vertrauten Form und Konstruktion, denn Korpus und Hals sind separat aus verschiedenen Holzarten geschnitzt.

Die direkten Vorläufer der Gitarre sind wahrscheinlich über Spanien nach Europa gelangt. Die Entwicklung des Instruments im Süden des Landes geht zurück auf die maurischen Invasionen im Jahre 800 n. Chr. Die Mauren, ein muslimisches Volk, das von Berbern und Arabern abstammte, brachten Saiteninstrumente wie die ‘Ud mit. Schnell fand neben der ‘Ud auch die Pandoura – ein großes Saiteninstrument, dass bei Ausgrabungen in Rom und Griechenland gefunden wurde -ihren Weg nach Nordeuropa.

Hier entwickelten Instrumentenbauer Instrumente wie die Laute und die Gittern – die wahrscheinlich nächsten Verwandten eines echten Vorläufers der Gitarre. Bis weit in das 16. Jahrhundert hinein war die Laute das dominierende Musikinstrument in Mitteleuropa und Großbritannien.

Im Europa der Renaissance entstand eine frühe Form der Laute, genannt Guitarra moresca. Hinweise auf einen weiteren Verwandten – die Guitarra latina oder lateinische Gitarre -finden sich ebenfalls in dieser Zeit. Die frühesten richtigen Gitarren, die Ende des 15. Jahrhunderts aufkamen, ähnelten in ihrer Größe der Laute. Sie verwendeten häufig »Chöre« aus Darm – Saitenpaare, die auf denselben Ton gestimmt waren -und weniger einzelne Saiten. Bis Ende des 16. Jahrhunderts betrachtete man die Gitarre als armen Verwandten der »edleren« Saiteninstrumente wie Laute und Vihuela. Aber sie suchte sich bald verschiedene Rollen in der Musik. Während auf den vierchörigen Instrumenten im Allgemeinen solistische Stücke gespielt wurden, war die fünfehörige Gitarre vor allem sehr beliebt, um Sänger zu begleiten. Gestimmt wurde sie C-F-A-D -dies entspräche den oberen vier Saiten einer heutigen Gitarre, würde man jede einen Ton tiefer stimmen.

Die VIHUELA

Im 16. Jahrhundert erfreute sich ein spanisches Instrument außerordentlicher Beliebtheit: die Vihuela. Sie hatte einen flachen Korpus, ein schmales Griffbrett mit zehn Bünden und ein nach hinten gebogenes Wirbelbrett, deren Wirbel von der Rückseite durchgebohrt waren. Es gab drei verschiedene Typen dieses Instruments: die Vihuela de arco wurde mit einem Bogen gespielt; die Vihuela de peola mit einem Plektrum, und die Vihuela de mano zupfte man mit den Fingern. Schließlich setzte sich Letztere unter dem Namen Vihuela durch. Das Instrument gelangte schließlich auch nach
Italien, wo man es Viola da mano nannte.

Die Vihuela war gewöhnlich mit sechs Darmsaitenpaaren bespannt, wobei es auch fünf- und siebenchöri-ge Versionen gab. Wie die frühe Laute war die sechschörige Vihuela meistens auf die Noten G-C-F-A-D-G gestimmt. Signifikante Unterschiede in der Größe weisen jedoch darauf hin, dass dies nicht immer der Fall war. Luis de Milan, ein großer Komponist für Vihu-elamusik, verlangte sogar, dass der Cantino – das höchste Saitenpaar – bis kurz vor dem Zerreißpunkt gestimmt werden sollte. Die tieferen Saiten sollten dann an diesem Ton ausgerichtet werden.

Die wachsende Beliebtheit der fünfehörigen Gitarre zu Beginn des 17. Jahrhunderts war mit schuld am Niedergang der Vihuela. In weniger als 200 Jahren hatte die Gitarre die Proportionen ihrer älteren Verwandten übernommen. Trotz der ehemals großen Beliebtheit findet sich im Jac-quemart-Andre-Museum in Paris heute das letzte Exemplar dieses Instruments. Obwohl es »ausgestorben« ist, existiert immer noch eine Vielzahl musikalischer Werke, das älteste davon aus dem Jahre 1536.

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